Inkasso-Forderung nach 10 Jahren: Was Sie wissen müssen

Ein Brief von einem Inkassobüro kann beunruhigend sein, besonders wenn es um eine Forderung geht, die bereits viele Jahre alt ist. Viele fragen sich: Ist eine Inkasso-Forderung nach 10 Jahren überhaupt noch gültig? Dieser Beitrag erklärt, welche Verjährungsfristen in Deutschland gelten und was Sie tun können, wenn Sie eine solche Forderung erhalten.
Was ist eine Inkasso-Forderung?
Wenn ein Unternehmen offene Rechnungen hat, die ein Kunde nicht bezahlt, kann es ein Inkassobüro beauftragen, das Geld einzutreiben. Dieses Büro fordert dann im Namen des ursprünglichen Gläubigers die Zahlung der Schuld, oft zuzüglich weiterer Gebühren. Aber auch Inkassounternehmen müssen sich an gesetzliche Fristen halten.
Die regelmäßige Verjährungsfrist: Drei Jahre
Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gilt in Deutschland für die meisten alltäglichen Forderungen – wie Kaufverträge, Dienstleistungen oder Mietzahlungen – eine regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren (§ 195 BGB).
Diese Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon Kenntnis erlangt hat. Ein Beispiel: Wenn Sie im Juni 2020 eine Ware gekauft, aber nicht bezahlt haben, beginnt die Verjährungsfrist am 31. Dezember 2020 und endet am 31. Dezember 2023. Nach diesem Datum ist die Forderung verjährt.
Gilt eine Inkasso-Forderung nach 10 Jahren noch?
Eine einfache Forderung, die lediglich per Brief oder Mahnung geltend gemacht wurde, ist nach 10 Jahren in der Regel längst verjährt. Inkassobüros versuchen es manchmal trotzdem, in der Hoffnung, dass die Angeschriebenen aus Unwissenheit zahlen.
Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen, bei denen eine Forderung eine wesentlich längere Verjährungsfrist hat.
Ausnahmen und Sonderfälle: Die 30-jährige Verjährungsfrist
Eine Forderung kann unter bestimmten Umständen erst nach 30 Jahren verjähren. Dies ist der Fall, wenn ein sogenannter Titel vorliegt. Ein Titel ist ein amtliches Dokument, das den Anspruch des Gläubigers rechtlich festschreibt.
Zu den wichtigsten Titeln gehören:
- Gerichtsurteile: Wenn Sie in einem Prozess zur Zahlung verurteilt wurden.
- Vollstreckungsbescheide: Wenn ein Gläubiger einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragt hat und Sie keinen Widerspruch eingelegt haben.
- Notarielle Urkunden: Wenn Sie in einem notariellen Vertrag eine sofortige Zwangsvollstreckung akzeptiert haben.
Liegt ein solcher Titel vor, verlängert sich die Verjährungsfrist auf 30 Jahre (§ 197 BGB). In diesem Fall wäre eine Inkasso-Forderung auch nach 10 Jahren noch vollkommen berechtigt.
Was tun, wenn eine alte Forderung eintrifft?
Wenn Sie eine Zahlungsaufforderung für eine über 10 Jahre alte Schuld erhalten, sollten Sie ruhig und überlegt handeln.
- Nicht sofort zahlen: Leisten Sie keine Zahlung und unterschreiben Sie keine Ratenzahlungsvereinbarung oder ein Schuldanerkenntnis. Beides könnte als Anerkennung der Schuld gewertet werden und die Verjährung neu beginnen lassen.
- Forderung prüfen: Verlangen Sie vom Inkassobüro eine Kopie des ursprünglichen Vertrags und, falls behauptet wird, es gäbe einen Titel, einen Nachweis darüber (z. B. eine Kopie des Vollstreckungsbescheids).
- Widerspruch einlegen: Wenn Sie sicher sind, dass die Forderung verjährt ist und kein Titel vorliegt, legen Sie schriftlich Widerspruch ein. Erklären Sie, dass Sie sich auf die „Einrede der Verjährung“ berufen. Versenden Sie den Widerspruch am besten per Einschreiben, um einen Nachweis zu haben.
- Rechtlichen Rat einholen: Wenn das Inkassobüro trotz Ihres Widerspruchs Druck macht oder Sie unsicher sind, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Suchen Sie rechtlichen Beistand
Der Umgang mit Inkassounternehmen kann kompliziert sein. Ein Anwalt kann prüfen, ob die Forderung berechtigt, verjährt oder der Titel gültig ist. Er kann die Kommunikation mit dem Inkassobüro übernehmen und Ihre Rechte wirksam durchsetzen. Dies schützt Sie vor unberechtigten Zahlungen und weiterem Druck.
Kennen Sie Ihre Rechte
Eine Inkasso-Forderung nach 10 Jahren ist oft verjährt, es sei denn, es liegt ein gerichtlich festgestellter Titel vor. Handeln Sie nicht überstürzt, sondern prüfen Sie die Forderung sorgfältig. Wenn Sie Ihre Rechte kennen und sich im Zweifel an einen Experten wenden, können Sie sich effektiv gegen unberechtigte Ansprüche zur Wehr setzen.

